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Offener Leserbrief

In der Bad Sodener Zeitung erschien in der KW 09 ein sehr Kritischer Zeitungsartikel über den Einsatz in der Altenwohnanlage in Bad Soden. Aufgrund des despektierlichen Artikel, haben wir und die Malteser aus Fischbach dazu entschieden folgenden offenen Leserbrief zu verfassen:

Offener Leserbrief der Führungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes OV Kelkheim sowie der Malteser Hilfsdienst Main-Taunus/ Kelkheim zu Ihrem Artikel „ Außer Spesen nichts gewesen“

"Sehr geehrter Herr Hegener,

mit großer Verwunderung und Unglauben haben wir, die ehrenamtlichen Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes OV Kelkheim sowie der Malteser Hilfsdienst Main-Taunus/ Kelkheim, die jeweils
selbstständig sind, Ihren Artikel „Außer Spesen nichts gewesen“ in der Bad Sodener Zeitung gelesen.

Wir nehmen Ihren Artikel als äußerst despektierlich gegenüber allen haupt- und und vor allem ehrenamtlichen Einsatzkräften von Katastrophenschutz, Rettungsdienst und Feuerwehr wahr.
Auch wenn man über die Angemessenheit so mancher Alarmierungen sicherlich konstruktiv diskutieren könnte, hätte es in diesem Falle in nur wenigen Minuten zu einer Großschadenslage
kommen können. Sicherlich sind Sie sich über die Art und Lage dieses „Sonderobjektes“, wie es für uns heißt, bewusst. Hier wohnen ältere, zum Teil kranke oder in ihrer Mobilität deutlich
eingeschränkte Menschen. Wie Sie selbst schrieben, haben Bücher gebrannt. Wie hätte das nur wenige Minuten später ausgesehen, gerade in einer unbeaufsichtigten Wohnung...?
Und jetzt kommen wir ins Spiel. Der Piepser alarmiert und ein Alarmstichwort wird durch die Leitstelle in Hofheim durchgegeben.. „Bestätigtes Feuer im Augustinum. Menschenleben in Gefahr“. In diesem Moment lassen die Einsatzkräfte alles fallen, stellen privates wie berufliches sofort hinten an und machen sich auf den Weg. Denn jeder hat im Kopf, was es bedeuten kann oder könnte...

Viele unserer Helfer waren kurz vorher oder sogar parallel bei einem Feuer in einem „Sonderobjekt“ in Liederbach im Einsatz. Hier haben es die Helfer Hand in Hand mit unserem Landrat geschafft, innerhalb kürzester Zeit eine vorübergehende Bleibe für dutzende Menschen zu schaffen und diese noch über den ganzen Tag mit Essen sowie dem Nötigsten zu versorgen, natürlich ehrenamtlich. Die initiale Meldung hatte übrigens den gleichen Wortlaut...
Und wenn jetzt bei einem Feuer in einer Seniorenwohnanlage eine Evakuierung von vielen Menschen erforderlich sein könnte, bei der auch einige Bewohner durch Rauchgas oder Verletzungen zu Patienten werden könnten, dann ist man im Nachhinein sehr froh, dass außer Spesen nichts gewesen ist!

Auch wären 120 Einsatzkräfte bei einer notwendigen Evakuierung bzw. bei der Betreuung und Behandlung von möglicherweise vielen Patienten lange nicht genug gewesen...schauen Sie in die
nähere Vergangenheit, hier hat es bei solchen Feuern viele Verletze oder sogar Tote gegeben. Hier wurden die Lagen allerdings lange unterschätzt.

Unsere Helfer sind top ausgebildet. Von Feldköchen über Einsatzsanitäter, Rettungsassistenten, Logistikern, Rettungs- und Notfallsanitätern (3 Jahre Ausbildung) bis hin zum Notarzt und
kompetenten Führungskräften, gibt es eine große Bandbreite an Einsatzkräften, die sich alle ehrenamtlich engagieren!!! Sie leisten pro Jahr viele Arbeitsstunden in Aus-, Fort- und Weiterbildung, sowie bei vielen Sanitätsdiensten und Einsätzen. Es wird mindestens ca. 30 mal im Jahr geübt, oft auch organisationsübergreifend. Unsere Helfer kommen tags wie nachts,
wochenends und feiertags, auch dann, wenn es gerade eigentlich nicht passt, um anderen Menschen zu helfen!

Und ja, Feuerwehr und Katastrophenschutz werden von der öffentlichen Hand finanziert und ja somit aus Steuern, die Sie zahlen müssen.
Finden Sie das schlimm???
Unser Erachtens nach haben Sie hier den völlig falschen Focus bei der Berichterstattung gehabt.
Wir wollen nicht als Helden dastehen, denn das sind wir nicht, aber ein gewisser Respekt unserer Arbeit gegenüber wäre angebracht und aus unserer Sicht eigentlich selbstverständlich.

Für die Führungskräfte des Deutschen Roten Kreuzes OV Kelkheim:
Sebastian Grund, Tobias Sulikowski und Benjamin Grund (Leitung der aktiven Bereitschaft)

Für die Führungskräfte des Malteser Hilfdienstes Main-Taunus/ Kelkheim:
Konstantin Schütz, Sven Kräckmann, Florian Vehring, Wibke Fischer, Bernadette Grund, Benedikt
Mühlhaus, Daniel Lauer, Albert Kretschmer"

6. März 2017 16:35 Uhr. Alter: 2 Jahre